adventskalender

Jeden Tag ein Weihnachtslied.


25. Dezember 2020

Oh Heiland, reiß die Himmel auf

Frohe Weihnachten!

Wir verabschieden uns heute mit einem letzten Adventslied und einer letzten Aufnahme. Genießt die Feiertage und kommt gut ins neue Jahr. Hoffentlich wird es eines mit viel Gesang!

Oh Heiland, reiß die Himmel auf

Oh Heiland, reiß die Himmel auf aus unseren Noten gesungen und aufgenommen von Felix Jansen:

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24. Dezember 2020

Silent Night · Stilla Natt · Stille Nacht

Heute wird's dreisprachig!

Das wohl bekannteste Weihnachtslied der Welt mit einer Melodie von Franz Xaver Gruber steht heute auf unserem Plan. Alleine dieser Liedtext wurde in über 320 Sprachen und Dialekte übersetzt. So gibt es vermutlich kein Lied was sich für eine IPA-Transkription in unterschiedlichen Sprachen besser eignen würde als dieses.

Die erste Version, die wir heute anbieten, ist Englisch und sehr nah an der Aussprache, wie wir sie bei einer Aufnahme von Bing Crosby vorgefunden haben. Die zweite Version ist eine Transkription für Schwedisch, der Sprache eines Landes mit einer ausgeprägten Chor- und Singkultur. Und am Ende steht – wie kann es anders sein – eine Transkription des ursprünglichen deutschen Textes von Joseph Mohr.

Silent Night - Stilla Natt - Stille Nacht

Aufnahmen als Unterstützung zum Singen in anderen Sprachen sind mittlerweile durch die universelle Erreichbarkeit von Audiomaterialien der Regelfall geworden. Unsere Lösung mit IPA in den Noten möchte den Prozess des Lernens zum Singen in anderen Sprachen deutlich vereinfachen und auch das Singen in Sprachen ermöglichen, die vorher für viele gar nicht erreichbar schienen wie Russisch, Mandarin oder in diesem Beispiel Schwedisch oder Englisch in einem speziellen Idiolekt. Aussprache und Gesang anzuhören ist gut und wichtig. Eine Visualisierung des Gesungenen mit Hilfe von IPA soll allen Sänger*innen die Zuversicht geben, in jeder belieben Sprache ohne große Probleme Singen zu können.

Damit wünschen wir Euch einen schönen und geruhsamen Weihnachtsabend. Wenn ihr noch nicht genug habt von IPA in den Noten, meldet euch gerne zu unserem Newsletter an und freut euch auf weitere Überraschungen!

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23. Dezember 2020

Morgen kommt der Weihnachtsmann

... oder das Christkind?

Kommt bei euch morgen der Weihnachtsmann? Oder das Christkind? Oder niemand? Vielleicht feiert ihr erst übermorgen? Wie sieht Weihnachten bei euch aus? Erzählt es uns! Um die Wartezeit zu verkürzen, könnt ihr euch in Elisabeth Hösls musikwissenschaftlichen Beitrag zum heutigen Lied vertiefen.

Morgen kommt der Weihnachtsmann

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von

Der Weihnachtsmann? Pah, der wurde doch von diesem Softdrink-Hersteller erfunden! Nur eine Werbefigur! Tatsächlich nicht: Zwar etablierte das Erscheinungsbild des Weihnachtsmanns, wie Sie ihn vermutlich gerade vor Augen haben durch die Werbefigur, die erstmals in den 1930er Jahren in Amerika ‚auftauchte‘ und seither alljährlich der ‚Star‘ der Weihnachtskampagne ist, die Figur des Weihnachtsmannes an sich ist allerdings deutlich traditionsverwurzelter als man denken mag:

Die Figur hat unterschiedliche Wurzeln – zu viele, um in einer die eindeutige ‚Quelle‘ auszumachen. So geht die skandinavische Vorstellung von einem Gabenbringer, der in Lappland wohnt und einen Rentierschlitten als Fortbewegungsmittel nutzt wahrscheinlich auf nordische Sagen zurück. Die slavische Sagen- und Märchenwelt kennt ‚Väterchen Frost‘ (Дед Мороз, auch Ded Moroz, also ‚Großvater Frost‘) mit seiner Enkelin ‚Snegurotschka‘ (Снегурочка, ‚Schneeflöckchen‘). Im christlichen Kontext wird seit dem Mittelalter am 6. Dezember dem Heiligen Nikolaus von Myra, einem Bischof aus dem 4. Jahrhundert, gedacht. Für diesen Gedenktag entwickelten sich bereits früh regionale Traditionen: So führte der Nikolaus unterschiedliche ‚Begleiter*innen‘ mit sich, trat mal tadelnd und eher furchteinflößend, mal als kinderfreundliche Gestalt auf. Wenn der Nikolaus Geschenke dabeihatte, gab es diese am 6. Dezember. Der Heilige Abend als ‚Geschenketag‘ etablierte sich erst durch die Reformation. Durch Martin Luther wurde der Nikolaus schließlich auch durch das Christkind, das die Geschenke bringt, ‚ersetzt‘, um den Blick von der Heiligenverehrung abzulenken und wieder Christus in das Zentrum des Glaubens zu stellen. Mit der Zeit setzte sich diese ‚neue‘ Figur auch in katholischen Familien durch, auch wenn der Nikolaustag nach wie vor gefeiert wird.

Der Schritt von all diesen ‚Urfiguren‘ hin zum Weihnachtsmann war nicht groß: Im Erscheinungsbild ähneln sich die genannten Gestalten ohnehin, ein ‚winterliches‘ Outfit trugen sie alle – bis auf den Nikolaus, der allerdings durch sein meist rotes Bischofsgewand zu beeindrucken wusste. Und so scheint der Weihnachtsmann als eine Art ‚profanisierter‘ Nikolaus (die Bischofsmitra wird durch eine anderweitige winterliche Kopfbedeckung ersetzt) bereits im 19. Jahrhundert etabliert. Zu diesem Zeitpunkt hatte sich bereits der 24. Dezember als ‚Geschenketag‘ etabliert, sodass auch der Weihnachtsmann traditionell an diesem Tag die Geschenke brachte. Vor diesem Hintergrund erscheint es möglicherweise nicht mehr ganz so verwunderlich, dass der Text zu Morgen kommt der Weihnachtsmann schon fast 200 Jahre alt ist:

Der Text des Lieds stammt aus der Feder von August Heinrich Hoffmann von Fallersleben, der auch die spätere deutsche Nationalhymne (von der heute nur noch die dritte Strophe in Gebrauch ist) dichtete. Mit dem Titel Der Weihnachtsmann wurde der Text (noch ohne Melodie) erstmals im von Adalbert von Chamisso herausgegebenen Deutscher Musenalmanach für das Jahr 1837 gedruckt. Gerade im Zusammenhang mit dem ‚Friedensfest‘ Weihnachten mag die Häufung von Kriegsspielzeug verwundern, die sich das lyrische Ich wünscht. Tatsächlich durfte im 19. und in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts Krieg noch ohne weiteres als Spiel im Kinderzimmer stattfinden – erst die Friedensbewegung der 1970er führte hier zu einer kritischeren Bewertung. Heutige Textfassungen verzichten daher auf die Aufzählung des militärischen Spielzeugs und ersetzen es durch andere, heute populäre Geschenke wie Malbücher, Eisenbahnen oder Spielzeug-Bauernhöfe.

Morgen kommt der Weihnachtsmann,
Kommt mit seinen Gaben.
Trommel, Pfeife und Gewehr,
Fahn und Säbel und noch mehr,
Ja ein ganzes Kriegesheer,
Möcht’ ich gerne haben.

Bring’ uns, lieber Weihnachtsmann,
Bring’ auch morgen, bringe
Musketier und Grenadier,
Zottelbär und Panthertier,
Roß und Esel, Schaf und Stier,
Lauter schöne Dinge.

Doch du weißt ja unsern Wunsch,
Kennest unsere Herzen.
Kinder, Vater und Mama,
Auch sogar der Großpapa,
Alle, alle sind wir da,
Warten dein mit Schmerzen.

Aus meinem letzten Beitrag zu Ich steh an deiner Krippen hier wissen Sie bereits, dass manche Lied- bzw. Strophenformen ein Austauschen der Melodien ohne weiteres möglich machen. Das geschah auch bei Hofmann von Fallerslebens Text: Noch im Jahr seiner Erstveröffentlichung, 1837, wurde eine Fassung mit Melodie in einer Liedersammlung für den Unterricht gedruckt, 1843 folgte eine weitere Veröffentlichung in den vom Dichter herausgegebenen Fünfzig Kinderliedern. Diese entspricht allerdings nicht der heute bekannten Melodie – letztere ist, auch das kennen wir bereits von anderen Liedern – älter als der Text.

Die einfache Melodie, die nicht mehr als eine Sext umfasst und im Prinzip nur aus Halb- und Ganztonschritten mit einigen wenigen Quint- und Quartsprüngen besteht, entstand bereits Mitte des 18. Jahrhunderts; 1761 erschien sie erstmals im Druck, zunächst noch ohne Text. Diverse textierte Fassungen folgten in den darauffolgenden Jahrzehnten. Das Incipit des Textes, der 1774 im Recueil de Romances betitelt mit La Confidence naïve erscheint, lautet Ah vous dirai-je maman: Mozart-Fans dürften an dieser Stelle aufhorchen – schließlich verfasste der Komponist über die Melodie dieses Lieds eine Variationenfolge für Klavier. Zwar impliziert die Ansprache an eine ‚maman‘, eine Mutter, dass es sich bei diesem Text um ein Kinderlied handelt, ein näherer Blick in den französischen Text zeigt aber, dass das lyrische Ich hier ein verliebtes Mädchen ist, das sich in der Tat an die Mutter richtet. Sie beschreibt, wie der Geliebte Silvander für sie Blumen pflückte, sie bezirzte und – so impliziert es der Text – auch erfolgreich verführte. Letzteres klagt das Mädchen, das offenbar mit Hund und Stab unterwegs war, also wohl ein Hirtenmädchen ist, der Mutter reumütig. Ah vous dirai-je maman ist also eigentlich ein Liebeslied mit pastoraler Thematik. Die Umdichtung zum Kinderlied erfolgte nach und nach und wohl innerhalb der bürgerlichen Kultur, wodurch unterschiedliche Varianten des Textes existieren, die die Liebesthematik hinter sich lassen und dafür beispielsweise das Verbot von Süßigkeiten durch allzu strenge Eltern beklagen.

Es ist wohl der sehr leicht zu singenden Melodie geschuldet, dass Ah vous dirai-je maman als Basis für unterschiedliche Kinderlieder dient – angefangen vom bekannten ABC-Lied (das Alphabet lässt sich fast passgenau auf die Melodie singen) bis hin zum heute eher als Kinderlied verschrienen, aber, wie oben gezeigt, durchaus ‚hochkulturellen‘ Morgen kommt der Weihnachtsmann. Auch in anderen Sprachen entstanden diverse bekannte Kinderlieder zur Melodie, beispielsweise die englischen Varianten Twinkle Twinkle Little Star und Bah Bah Blaksheep, die deutsche unweihnachtliche Version Morgen wolln wir Hafer mähn, das französische Quand trois poules vont au champ (Geh’n drei Hühner auf das Feld) oder das griechische Φεγγαράκι μου λαμπρό (Mein Mond scheint). Die Melodie inspirierte nicht nur Mozart zu einer Variationskomposition, sondern, neben weiteren Mozart-Zeitgenoss*innen, auch Komponisten des frühen 20. Jahrhunderts wie Ernst von Dohnányi und Erwin Schulhoff. Darüber hinaus wird die Melodie in Camille Saint-Saëns Karneval der Tiere als ein melodisches ‚Fossil‘ zitiert.

Tatsächlich ist es morgen so weit: Der Weihnachtsmann (oder in den oberbayerischen Breiten, in denen ipipapa zuhause ist, eher das Christkind) kommt – zumindest hierzulande, Brit*innen und Amerikaner*innen müssen noch einen Tag länger auf ihre Geschenke warten. Ich hoffe sehr, dass Sie trotz allem ein ruhiges und besinnliches Weihnachtsfest genießen können und der Weihnachtsmann nicht nur viele schöne materielle Gaben bringen möge, sondern auch den Mut, zuversichtlich in das kommende Jahr zu gehen. Von meiner Seite also schon einmal: Ein Frohes Fest und einen guten Rutsch! Schauen Sie morgen, am Heiligen Abend, nochmal rein – da werden wir das letzte Türchen öffnen, das einen echten Klassiker enthält, ohne den es wohl nicht nur für uns gar nicht richtig Weihnachten werden kann. Und wer weiß, vielleicht hält der 25. auch noch eine Überraschung bereit.

Lesen Sie auch Elisabeth Hösls Beiträge zu Ich steh’ an deiner Krippen hier und Es ist ein Ros' entsprungen.


22. Dezember 2020

O du fröhliche

... o du selige gnadenbringende Weihnachtszeit!

Lautschrift und Singen – da sind wir nicht die ersten die darauf kommen. Besonders in den USA gibt es etliche Lehrbücher zum Singen in IPA und eine Tradition von mehreren Jahrzehnten zum Singen mit Hilfe von Lautschrift. In Europa kommen erst in den letzten Jahren auch phonetische Zeichen als Hilfsmittel beim Singen auf. Besonders den jungen Profisängern unter euch dürften viele Zeichen aus ihrem Gesangsunterricht kennen. Interessant ist das für die eigene Sprache, weil man dann manche Ausspracheregeln beim Singen noch einmal überdenkt. Faszinierend wird es dann für andere Sprachen, in denen man bisher noch nie gesungen hat oder singen konnte. Habt ihr schon Erfahrung beim Singen mit IPA? Erzählt uns davon!

O du fröhliche

O du fröhliche aus unseren Noten gesungen und aufgenommen von Clemens Joswig, begleitet von Ines Ohnewald:

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21. Dezember 2020

Es wird scho glei dumpa

... es wird scho glei Nocht.

Diese IPA-Zeichen schauen aber komisch aus. Werde ich die jemals alle lernen können? Einige von euch werden sich das fragen. Keine Panik. Für eine bestimmte Sprache müsst ihr immer nur eine geringe Anzahl an Lauten dazulernen. Viele andere Laute werdet ihr schon aus eurer Muttersprache kennen. Was bräuchtet ihr für Hilfsmittel, um mit IPA, besonders in einer euch fremden Sprache oder wie heute einem Dialekt, zurecht zu kommen? Schreibt uns!

Es wird scho glei dumpa

Es wird scho glei dumpa aus unseren Noten herzerwärmend gesungen und aufgenommen von Cosima Becker und Leonardo Ventroni:

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20. Dezember 2020

O Tannenbaum

... welchen sollen wir nehmen?

Transliteration oder Transkription? In einer Transliteration überträgt man die Laute einer anderen Sprache in die eigene oder eine bekannte Sprache wie Englisch. Prinzipiell eine vernünftige Idee. Allerdings funktioniert das nur bedingt. Zum Beispiel kann es in der Sprache, in der man Singen möchte, Laute geben, die es in der eigenen Sprache gar nicht gibt. Deswegen stehen wir klar auf Seite der Transkription, auch wenn wir genauso auch automatisiert Transliterationen erstellen könnten. Was ist euch lieber? Transliteration oder Transkription? Erzählt es uns!

O Tannenbaum

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19. Dezember 2020

Josef, lieber Josef mein

... hilf mir wiegen mein Kindelein.

Lautschriften gibt es sehr viele und in sehr vielen Variationen. Zum Beispiel NAPA, SAMPA, X-SAMPA oder eben auch IPA. Wieso haben wir uns jetzt gerade für IPA entschieden? Die einzig wahre Erklärung dafür: Da wir ipipapa heißen, blieb uns leider nichts anderes übrig als uns für das International Phonetic Alphabet zu entscheiden. Nein – Spaß ;-) Das Ziel der Leute hinter IPA ist seit etlichen Jahrzehnten, die vielen Lautschriften zu einem einheitlichen Alphabet zu vereinen und viele „besondere“ Lautschriften orientieren sich mittlerweile sehr stark an IPA, das sich spätestens in den 1990er Jahren als internationaler Standard etabliert hat. Ein weiteres zentrales Ziel von IPA ist die Darstellungsmöglichkeit aller Laute, die es auf der Welt gibt. Ein schönes Ziel, das wir mit unserer Arbeit unterstützen möchten. In welchem Zusammenhang seid ihr IPA das erste Mal begegnet? Schreibt uns!

Josef, lieber Josef mein

Josef, lieber Josef mein aus unseren Noten gesungen und aufgenommen von der wunderbaren Giulia Montanari, begleitet von Wolfgang Tacke:

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18. Dezember 2020

Zu Bethlehem geboren

... ist uns ein Kindelein.

Heute freuen wir uns über einen weiteren Beitrag von Annika Egert zum Lied Zu Bethlehem geboren. Bei ipipapa hatten wir eine lange Diskussion zur Transkription des Wortes „auserkoren“. Zur Debatte stand außer der finalen Variante [ʔˈaːosɐkoːrən] die Kombination aus einem Glottis-Stop [ʔ] zur Silbe „-er“, einem halb-offenen ungerundeten Vokal [ɛ] und einem tiefen Schwa [ɐ], also [ʔˈaːosʔɛɐkoːrən] bzw. die Transkription der traditionellen r-Variante, wie wir sie gestern beschrieben haben. Für welche Variante würdet ihr plädieren? Schreibt uns gerne.

Zu Bethlehem geboren

Zu Bethlehem geboren aus unseren Noten gesungen und aufgenommen von Annika Egert:

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17. Dezember 2020

Tochter Zion

... frrrrreue dich!

Das mit dem „r“ beim Singen im Deutschen ist gar nicht so einfach. Wie bei dem heutigen Lied Tochter Zion zu sehen ist, transkribieren wir das „er“ in „Toch-ter“ an dieser Stelle mit einem tiefen Schwa-Laut /ɐ/. Genauso wäre es aber auch möglich, das Ende dieses Wortes mit einem normalen Schwa /ə/ und einem Tab /ɾ/ oder einem alveolaren Trill /r/ zu übertragen. Möglich aber noch unüblicher wäre auch die Transkription eines uvularen Trills /ʀ/ oder Frikativs /ʁ/. Wieso geht das?

Der „r“-Laut im Deutschen ist ein sogenanntes Allophon: Also ein Phonem, das sehr viele Varianten aufweist, die in der jeweiligen Zielsprache nicht bedeutungsunterscheidend sind. Es gibt andere Sprachen, in denen die genannten Laute sehr wohl bedeutungsunterscheidend sein können. Ähnlich kann es Laute geben, wie zum Beispiel das Deutsche „i“ und „ü“, welche im Deutschen bedeutungsunterscheidend sind und in anderen Sprachen wie dem Tagalog (siehe Sprachstrukturatlas, Wikipedia) eher nicht.

Beim gesungenen „r“ im Deutschen gibt es darüber hinaus auch noch unterschiedliche Lehrmeinungen. In der traditionelleren Variante wird das „r“ relativ häufig gerollt: /r/. Die modernere Variante orientiert sich stärker am gesprochenen Wort. Mit unserem Programm können wir diese Varianten des „r“ in unterschiedlichen Positionen im Wort ziemlich genau steuern.

Fragt uns gern, wenn ihr mehr zu diesem Thema wissen wollt.

Tochter Zion

Tochter Zion aus unseren Noten gesungen von Clemens Joswig und begleitet von Ines Ohnewald:

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16. Dezember 2020

Alle Jahre wieder

... kommt das Christuskind!

Alle Jahre wiederkommt das Christuskind. Genauso selbstverständlich wie der Sohn Gottes für viele Christen an Weihnachten erwartet wird, haben viele von uns erwartet, dass auch alle Jahre wieder im Advent und an Weihnachten gesungen wird. An diesem 16. Dezember 2020 gehen wir jedoch in einen weiteren harten Lockdown ohne Gesang in den Kirchen oder der Öffentlichkeit. Umso dankbarer sind wir der Sopranistin Annika Egert für ihre heutige Unterstützung in Form einer Aufnahme.

Alle Jahre wieder

Alle Jahre wieder aus unseren Noten gesungen und aufgenommen von der Sopranistin Annika Egert:

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15. Dezember 2020

Ihr Kinderlein, kommet

... zur Krippe her kommet in Bethlehems Stall!

Heute freuen wir uns wieder über ein Karaoke-Video von Cosima Becker mit einer weiteren Aufnahme von Kanahi Yamashita. Beim heutigen Stück kommt ganz schön viel Text auf ziemlich wenig Zeit. Kommt ihr mit beim IPA-Lesen? Lasst es uns wissen!

Ihr Kinderlein, kommet

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14. Dezember 2020

Schneeflöckchen, Weißröckchen

... wann kommst du geschneit?

Stimmhafte Konsonanten wie das stimmhafte /z/ in „so“ sind beim Singen im Deutschen mittlerweile üblich. Viele Jahre war das nicht der Fall, was auch an den dialektalen Prägungen der Sänger*innen und Chöre lag. Auch heute noch würde es sehr merkwürdig und falsch klingen, wenn ein Stück im Bayerischen Dialekt zum Beispiel ein gesungenes stimmhaftes [z] enthalten würde. Bei Süddeutschen Sänger*innen und Chören kann man auch heute noch eine Tendenz dazu feststellen, dass weniger stimmhafte Konsonanten gesungen werden. Wie denkst du darüber? Schreib uns!

Sankta Lucia

Finde heraus, wie unsere Sopranistin Giulia Montanari das „s“ ausspricht: Schneeflöckchen, Weißröckchen aus unseren Noten von ihr gesungen und aufgenommen, begleitet von Wolfgang Tacke:

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13. Dezember 2020

Sankta Lucia

... komm und bring Licht in unsere Winternacht!

Heute zum dritten Advent gibt es die ersten ipipapa-Noten eines schwedischen Stückes! Am 13. Dezember wird in Schweden Lucia gefeiert, die Licht in die dunkle Nordnacht bringt. Welche Lieder bringen dir Licht in der dunklen Jahreszeit? Schreib uns!

Sankta Lucia

Sänger*innen des Palaestra Vokalensemble unter der Leitung von Cecilia Martin-Löf an der Universität Lund haben dieses Jahr ein virtuelles Luciakonzert aufgenommen und es mit uns geteilt:

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12. Dezember 2020

Ich steh’ an deiner Krippen hier

... oh Jesu, du mein Leben.

So langsam wird es innig und besinnlich. Einen Einblick in die musikwissenschaftlichen Hintergründe dieses Krippenliedes schenkt uns heute wieder Elisabeth Hösl. Was verbindet ihr mit diesem bekannten Lied? Schreib uns!

Ich steh’ an deiner Krippen hier

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Möglicherweise haben Sie beim Blick in das heutige Notenblatt kurz gestutzt, weil Sie eigentlich mit einer anderen Melodie zu Ich steh an deiner Krippen hier gerechnet hätten – oder Sie wundern sich eben beim Lesen dieses Texts, was es denn da noch für eine ‚alternative‘ Melodie geben soll. Tatsächlich ist dieses Kirchenlied mit zwei unterschiedlichen Melodien verbreitet. Es scheint, als wäre in den meisten Regionen, Pfarreien und Familien eine der beiden Versionen die jeweils populärere. Im katholischen neuen Gotteslob ist sogar die Melodie zu GL 258 als Alternative angegeben, um weiterhin beide Varianten im Gottesdienst ‚singbar‘ zu machen – das alte Gotteslob (1975) hatte die andere Melodiefassung enthalten.

Tatsächlich ist die Melodie, die wir Ihnen heute mit transkribiertem Text bereitstellen, um 80 Jahre jünger als der Text – und dieser wiederum entstand 100 Jahre nach der Melodie der zweiten geläufigen Fassung: Ich steh an deiner Krippen hier erschien erstmals im Gesangbuch Praxis Pietatis Melica, das erstmals 1653 von dem protestantischen Kirchenmusiker Johann Crüger herausgegeben wurde. Dieses Gesangbuch, das sowohl für den Haus- wie auch den Gottesdienstgebrauch gedacht war, erlebte bis ins 18. Jahrhundert hinein zahlreiche Auflagen und fand weite geographische Verbreitung. In der Praxis Pietatis Melica umfasst der Text zu Ich steh an deiner Krippen hier 15 Strophen. Der Dichter ist der protestantische Theologe Paul Gerhardt, aus dessen Feder viele weitere bis heute bekannte Kirchenlieder (zum Beispiel O Haupt voll Blut und Wunden und Befiehl du deine Wege) stammen. Im Erstdruck ist die Melodie nicht unmittelbar mit angegeben – der Herausgeber der Praxis Pietatis Melica verweist auf die bereits in den 1520er Jahren wahrscheinlich von Martin Luther komponierte Melodie zu Nun freut euch, lieben Christen g’mein. Hier wird es allerdings wieder kompliziert: Auch für Nun freut euch, lieben Christen g’mein sind zwei unterschiedliche Melodien bekannt.

Dass Liedtexte und Melodien solcher alter, deutschsprachiger Kirchenlieder oft austauschbar sind, liegt an der formalen Anlage der Strophen: Schon Martin Luther, wie auch später viele weitere deutsche Lieddichter*innen, verwendet eine siebenversige jambische Barform. Sie zeichnet sich durch zwei zweiversige so genannte ‚Stollen‘ (nicht nur bei Weihnachtsliedern!) aus, bei denen die Melodie wiederholt wird:

Ich steh an deiner Krippen hier,
o Jesu, du mein Leben;

(Stollen I)

ich komme, bring und schenke dir,
was du mir hast gegeben.

(Stollen II)

Die Reimform der beiden Stollen ist abab. Ihnen schließt sich der so genannte ‚Abgesang‘ in der Reimform ccd an, der nun eine ‚eigene‘ Melodie hat:

Nimm hin, es ist mein Geist und Sinn,
Herz, Seel und Mut, nimm alles hin
und lass dir’s wohlgefallen.

Aufgrund der Popularität dieser Form ist es möglich, dass ein Lied zu unterschiedlichen Melodien passen kann – oder verschiedene Melodien zu einem Text. Für Ich steh an deiner Krippen hier war allerdings zunächst nur eine Fassung mit der Melodie Martin Luthers verbreitet. Diese dürfte die etwas bekanntere Fassung sein, schließlich wird sie als Choralmelodie in Johann Sebastian Bachs Weihnachtsoratorium verwendet. Bach selbst war es auch, der die neuere der beiden Melodien komponierte: 1736, zwei Jahre nach der Erstaufführung des Weihnachtsoratorium, erschien das von Georg Christian Schemelli herausgegebene Musicalisches Gesang-Buch, für das Bach eine Fülle von Kirchenliedern für Solostimme mit Generalbassbegleitung gesetzt hatte. Hier findet sich erstmals die neue – und zugegebenermaßen etwas komplexer zu singende – Melodie.

Dass Bach den Text in Form einer solistischen ‚Arie‘ vertont, erscheint geradezu programmatisch für den Textinhalt. Die Transkription enthält drei der 15 gerhardtschen Strophen, die erste davon ist oben bereits abgedruckt:

2. Da ich noch nicht geboren war,
da bist du mir geboren
und hast mich dir zu eigen gar,
eh ich dich kannt, erkoren.
Eh ich durch deine Hand gemacht,
da hast du schon bei dir bedacht,
wie du mein wolltest werden.

3. Ich lag in tiefster Todesnacht,
du warest meine Sonne,
die Sonne, die mir zugebracht
Licht, Leben, Freud und Wonne.
O Sonne, die das werte Licht
des Glaubens in mir zugericht’,
wie schön sind deine Strahlen!

Im Gegensatz zu zahlreichen anderen bekannten Gemeindeliedern lässt Gerhardt nicht ein ‚Kollektiv‘ (Wir) der Gläubigen zur Sprache kommen, sondern wählt die weit intimere Form eines Lyrischen Ichs. Es handelt sich also um ein ‚Gebet‘ eines einzelnen gläubigen Menschen an der – symbolischen – Krippe. Dankbar und staunend imaginiert sich das Lyrische Ich selbst in den Stall und scheint nur durch Vergleiche die ‚Strahlkraft‘ des Kindes in der Krippe greifen zu können. So wird in der bekannten dritten Strophe Jesus als ‚Sonne‘, als das hellste Gestirn, bezeichnet. Die neunte Strophe greift im Gegensatz dazu den Vergleich mit den nachts leuchtenden Himmelskörpern auf und betont, dass Mond und Sterne trotz ihrer Schönheit hinter den Augen des Jesuskindes zurückstehen müssen:

Wo nehm ich Weisheit und Verstand,
mit Lobe zu erheben
die Äuglein, die so unverwandt
nach mir gerichtet stehen;
der volle Mond ist schön und klar,
schön in der güldnen Sternen Schar,
dies Äuglein sind viel schöner.

Auch die ärmlichen Verhältnisse im Stall, die dem Sohn Gottes nicht würdig erscheinen, werden im Text thematisiert:

O daß doch so ein lieber Stern
soll in der Krippen liegen!
Für edle Kinder großer Herrn
gehören goldne Wiegen.
Ach! Heu und Stroh sind viel zu schlecht,
Samt, Seiden, Purpur wären recht,
dies Kindlein drauf zu legen.

Nehmt weg das Stroh, nehmt weg das Heu,
ich will mir Blumen holen,
dass meines Heilands Lager sei
auf Rosen und Violen,
mit Tulpen, Nelken, Rosmarin
aus schönen Gärten will ich ihn
von obenher bestreuen.

In der Nennung von „Tulpen, Nelken, Rosmarin“ schwingt bereits ein wenig Bitterkeit – und zugleich Hoffnung – mit: Im Evangelium der Osternacht kommen Frauen frühmorgens zum Grab Jesu, um den Leichnam mit duftenden Ölen zu salben. Dabei finden sie ein leeres Grab vor und werden damit zu den ersten Zeuginnen der Auferstehung. Auch das ‚Betten‘ Jesu auf Blumen kann als Anspielung auf den Tod und die Auferstehung gelesen werden – man denke hier nur an Darstellungen des Heiligen Grabes mit reichem Blumenschmuck.

In Gerhardts vorletzter Strophe, die im Evangelischen Gesangbuch mit enthalten ist, wird deutlich, dass das Lyrische Ich weit mehr als Nähe zu Christus anstrebt: Das Individuum selbst möchte zur ‚Krippe‘ werden und Jesus stets „in, an und bei“ sich tragen, den Glauben voll und ganz in Körper und Seele ‚aufnehmen‘.

Eins aber, hoff ich, wirst du mir,
mein Heiland, nicht versagen,
dass ich dich möge für und für
in, bei und an mir tragen,
so lass mich doch dein Kripplein sein,
komm, komm und lege bei mir ein
dich und all deine Freuden.

Ich steh an deiner Krippen hier lädt also ein zum Innehalten, zum ganz persönlichen Staunen über das Kind im Stall. Besonders eindrucksvoll nutzt diese Botschaft Johann Sebastian Bach, der den Choral – in der Melodieversion Luthers – in die sechste Kantate des Weihnachtsoratoriums einbettet. Im Rezitativ wird zuvor die Ankunft der Könige beschrieben: „Da sie den Stern sahen, wurden sie hoch erfreuet und gingen in das Haus und funden das Kindlein mit Maria, seiner Mutter, und fielen nieder und beteten es an und täten ihre Schätze auf und schenkten ihm Gold, Weihrauch und Myrrhen.“ Der in unmittelbarem Anschluss an diese Worte erklingende Choral Ich steh an deiner Krippen hier bringt nicht nur die Situation der Könige, deren weltlicher Reichtum in Anbetracht des Kindes in der Krippe plötzlich ganz klein erscheint, zur Sprache: Jede*r einzelne Sänger*in im Chor schlüpft an dieser Stelle in die Rolle eines einzelnen ‚Krippengasts‘. Nach den festlichen Klängen der großen Chöre des Weihnachtsoratoriums wird alles plötzlich ganz still und persönlich. Kein „Wir singen dir in deinem Heer“ (wie in der zweiten Kantate) – nur jede*r einzelne als ‚Ich‘ an der Krippe: Wenn Ich steh an deiner Krippen hier im Konzert oder Gottesdienst gesungen wird, geht es nicht darum, in musikalischer Form ‚nach außen‘ zu leuchten – vielmehr soll jede*r einzeln*e die „schönen Strahlen“ („wie schön sind deine Strahlen“) in sich selbst spüren.

Hier geht's zu Elisabeth Hösls Beitrag zu Es ist ein Ros' entsprungen >>>


11. Dezember 2020

Still, still, still, weil’s Kindlein schlafen will

... auf eine ruhige Nacht!

Wiegenlieder dürften eine der ältesten Erfindungen in der Musikgeschichte sein. So bringt die körperliche Nähe zwischen Mutter und Kind durch den gleichmäßigen Herzschlag der Mutter eine natürliche Vorstellung von Metrum und Rhythmus hervor. Das war auch vor vielen tausend Jahren mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht anders als heute. Untersuchungen zur Wirkung von Musik auf Kinder über kulturelle Grenzen hinweg finden Sie zum Beispiel hier. Das heutige Lied reiht sich in diese lange Tradition ein. Erinnerst Du dich an das erste Wiegenlied, das für dich gesungen wurde? Schreib uns!

Still, still, still, weil’s Kindlein schlafen will

Still, still, still, weil’s Kindlein schlafen will aus unseren Noten gesungen und aufgenommen von der Sopranistin Magdalena Hinterdobler, begleitet von Christian Hornef:

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10. Dezember 2020

Süßer die Glocken nie klingen

... als zu der Weihnachtszeit.

Und wieder klingen die Glocken, wie schon im ersten Türchen. Solche onomatopoetischen Spielereien in Liedtexten kommen in Advents- und Weihnachtsliedern häufig vor. Wenn man der Sprache, in der man singen möchte, nicht mächtig ist, ist es wichtig besonders, solche Zusammenhänge zwischen Sprache und Musik korrekt darzustellen. Aber auch Muttersprachler*innen haben uns schon berichtet, dass es sehr viel Spaß machen und lehrreich sein kann, in der eigenen Sprache mit dem Internationalen Phonetischen Alphabet zu singen. Das betrifft sowohl die bereits angesprochene Thematik mit den Silbengrenzen, die beim Singen in aller Regel anders gesetzt werden, als auch die Vokalqualität oder auch das Thema mit dem /r/ im Deutschen, auf das wir in den nächsten Tagen noch einmal zurückkommen werden.

Süßer die Glocken nie klingen

Süßer die Glocken nie klingen aus unseren Noten gesungen und aufgenommen von der Sopranistin Giulia Montanari, begleitet von Wolfgang Tacke:

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9. Dezember 2020

Was soll das bedeuten?

... es taget ja schon.

Das neunte Türchen kommt aus Schlesien. Der schlesische Dialekt wurde in der Transkription dieses Stückes nicht berücksichtigt. Stattdessen wurde eine Standard-Deutsche Variante gewählt. Die interessante Frage: Ist es möglich einen selten gewordenen Dialekt durch IPA in den Noten wieder zum Leben zu erwecken? Wie denkt ihr darüber? Schreibt uns!

Was soll das bedeuten?

Auch Clemens Joswig fragt sich Was soll das bedeuten? Aus unseren Noten gesungen und begleitet von Ines Ohnewald:

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8. Dezember 2020

Vom Himmel hoch, da komm’ ich her

... ich bring euch gute neue Mär.

Martin Luther ist der Textdichter unseres Stückes hinter dem achten Türchen. Von dem bekannten deutschen Reformator gibt es einige Lieddichtungen und Kompositionen. Was nicht viele wissen: Sogar mindestens ein mehrstimmiges Stück ist von Luther erhalten. Natürlich ist die Aussprache von Liedtexten auch eine Frage der zeitlichen Einflüsse und Intentionen. So kann man auch Überlegungen darüber anstellen, wie vor einigen hundert Jahren Texte in bestimmten Regionen ausgesprochen wurden. Besonders bei Luther steht die Verständlichkeit der Texte erst einmal im Mittelpunkt. Deshalb auch unsere Transkription, die einem heutigen Sing-Standard entspricht. Was denkt ihr darüber? Schreibt uns!

Vom Himmel hoch, da komm’ ich her

Den Engel spielt mit seiner warmen Stimme heute Clemens Joswig: Vom Himmel hoch, da komm’ ich her aus unseren Noten gesungen und begleitet von Ines Ohnewald.

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7. Dezember 2020

Leise rieselt der Schnee

... und läutet die staade Zeit ein.

Im Stück des siebten Türchens freuen wir uns wieder über einen Gastbeitrag von Giulia Montanari. Wenn ihr euch die IPA-Version in den Noten genau anschaut, wird euch auffallen, dass es hier einen Unterschied zu den anderen bisherigen Transkriptionen gibt. Gestern konntet ihr etwas über Diphthonge lesen. Bei der Transkription des heutigen Stückes weichen wir davon ab und erzeugen damit eine Version, die dem reinen Sprechen des Textes näherkommt. Da es sich hier um ein Volkslied handelt, ist diese Art der Transkription durchaus gerechtfertigt. Am Ende wird es aber immer die Entscheidung unserer Editoren und Sprachexperten sein, auf welche Art und Weise transkribiert wird. Wir möchten gerne eure Meinung dazu hören. Denkt ihr, es ist sinnvoll, in solchen Fällen anders zu transkribieren, wenn es sich zum Beispiel aufgrund des Genres anbietet? Oder vertretet ihr eher die Meinung, dass man sich generell für eine idealisierte / spezielle Form von Transkription in einer bestimmten Sprache aussprechen sollte? Schreibt uns!

Leise rieselt der Schnee

Leise rieselt der Schnee aus unseren Noten gesungen und aufgenommen von der Sopranistin Giulia Montanari, begleitet von Wolfgang Tacke:

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6. Dezember 2020

Lasst uns froh und munter sein

... und uns recht von Herzen freu'n!

Habt ihr gestern gut geübt? Dann dürfte das heutige Karaoke-Video von Cosima Becker mit einer weiteren Aufnahme von Kanahi Yamashita kein Problem mehr für euch sein:

Lasst uns froh und munter sein

Diphthonge beim Singen, also Lautkombinationen wie au, eu oder ei im Deutschen sind so eine Sache für sich. So gibt es zum Beispiel keinen wirklichen Konsens darüber, wie diese Laute in IPA übertragen werden sollen. Unsere Idee dazu ist, dass der erste Vokal im Diphthong beim Singen normalerweise länger ist als der darauffolgende Vokal. Daher die Entscheidung, ein Längungszeichen hinter den ersten Vokal zu schreiben. Durch die häufig tiefere Position des Kehlkopfes beim Singen, die sich dann auch auf die Position der Zunge auswirkt und damit auch auf die Vokalqualität kommen die zweiten Bestandteile unsere Diphthonge zustande. Wie denkt ihr darüber? Wir freuen uns auf eure Nachrichten!

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5. Dezember 2020

Morgen, Kinder, wird’s was geben

... aber heute seid ihr dran!

Cosima Becker hat eine wunderbare Aufnahme von Kanahi Yamashita für uns zu einem Karaoke-Video mit ipipapa-Noten verwandelt:

Morgen, Kinder, wird’s was geben

Wie ihr wisst, ist die Aussprache beim Singen anders als beim Sprechen. Das spiegelt sich auch in unseren Transkriptionen wider. Vielleicht ist euch aufgefallen, dass zum Beispiel die Silbenverteilung manchmal komisch aussieht: aus Weih - nachts - tag wird vaːe - na - xtstaːk. Das ist der Idee geschuldet, dass in aller Regel möglichst lang auf einem klingenden Laut (meist ein Vokal) gesungen wird und Konsonanten dann der darauffolgenden Silbe zugeordnet werden. Was haltet ihr von Dieser Idee? Schreibt uns!

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4. Dezember 2020

Es ist ein Ros’ entsprungen

... mitten im kalten Winter?

Das Lied hinter dem vierten Türchen dürfte euch bekannt vorkommen, wenn ihr die ersten Videos auf unserer Website gesehen habt, die im Übrigen bald erneuert werden. Wenn ihr das nicht verpassen wollt, abonniert gerne unseren ↓ Newsletter ↓. Außer über die Noten dürft ihr euch über einen Artikel von Elisabeth Hösl freuen. Sie berichtet uns als Musikwissenschaftlerin von den Hintergründen des heutigen Stückes.

Es ist ein Ros’ entsprungen

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von

„Eine Rose ist eine Rose ist eine Rose“? Nun, mit der genannten ‚Rose‘ im heutigen Lied Es ist ein Ros entsprungen verhält es sich etwas komplizierter. Wer ist dieses „Röslein, das ich meine“? Ein Blick auf die Überlieferungsgeschichte des bereits über 420 Jahre alten Texts zeigt, dass das Wort ‚Röslein‘ zwei unterschiedliche Deutungen zulässt.

Als älteste bekannte Quelle für Es ist ein Ros entsprungen gilt ein handschriftliches Gebetbuch, das heute in der Stadtbibliothek Trier (Hs. 2363/2304) aufbewahrt wird. Es enthält 19 Strophen des Lieds, die vermutlich in den 1580er Jahren in der Trierer Kartause St. Alban niedergeschrieben wurden. Es handelt sich also um ein – wie in einem Mainzer Cantual (ebenfalls ein Gesangbuch) von 1605 vermerkt – „alt Catholisch Trierisch Christliedlein“. Im Jahr 1599 erschien Es ist ein Ros entsprungen erstmals im Druck: Das von Speyerer Jesuiten redigierte und in Köln gedruckte Speyerer Gesangbuch enthält nunmehr nicht nur 23 Textstrophen, sondern auch die bis heute bekannte Melodie.

Die früheren Quellen zu Es ist ein Ros entsprungen sind also im Kontext katholischer Ordensgemeinschaften entstanden; selbstverständlich lässt sich aber nicht mehr genau sagen, ob in diesem katholischen Umfeld auch der Ursprung des Lieds liegt, von dem angenommen wird, dass einige Strophen bereits in der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts gesungen wurden.

Chorsänger*innen dürfte nicht allein die Melodie, sondern vor allem auch der bis heute wohl am häufigsten aufgeführte vierstimmige Satz von Michael Praetorius in seinen Musae Sioniae von 1609 (Band 6) bekannt sein. Ein Vergleich des beim Protestanten Praetorius überlieferten Texts mit der Speyrer katholischen Textvariante zeigt: Während die erste Strophe in beiden Versionen gleich ist, weichen die jeweils zweiten Strophen in fast unmerklichen, aber bedeutenden Details voneinander ab:

Speyer 1605 Praetorius 1609
Das Röselein das ich meine Das Röeßlein das ich meine
Darvon Isaias sagt darvon Esaias sagt
Ist Maria die reine hat uns gebracht alleine
Die uns das blümlein hat bracht Mary die reine Magd
Auß Gottes ewigem raht aus Gottes ewgen raht
Hat sie ein Kindlein gboren hat sie ein Kind gebohren
Und blieben ein reine Magd. wol zu der halben Nacht.

Den ersten Worten „[d]as Röslein, das ich meine“ (in beiden Fällen) entsprechend beantwortet sich die Frage nach der als ‚Rose‘ bezeichneten Person in der zweiten Liedstrophe selbst. Doch während die katholische Version als die ‚Rose‘ die Jungfrau Maria selbst bezeichnet und damit eine bis ins Mittelalter zurückgehende Blumensymbolik aufgreift, ist Maria in der protestantischen Fassung lediglich diejenige, die das ‚Röselein‘ hervorbringt – die ‚Rose‘ ist hier also Jesus. Dass der protestantische Text den Fokus stärker auf Jesus selbst legt, zeigt sich auch am Ende der Strophe: Die Betonung der jungfräulichen Empfängnis Mariens weicht der neutraleren Angabe der Geburtszeit („wohl zu der halben Nacht“; als Variante ist heute auch „welches uns selig macht“ gebräuchlich). Maria ist hier nicht die ‚Blume‘ selbst, sondern vielmehr der Rosenstock, aus dem die Blüte (Jesus) entspringt. Die beiden möglichen Deutungsvarianten zur ‚Rose‘ im Lied entsprechen der ambivalenten Interpretation des Bibelverses aus dem prophetischen Buch Jesaja, auf den sich der Liedtext bezieht. Das Gleichnis aus Jes 11,1 lässt sich, wie die Textvarianten zeigen, einerseits so deuten, dass Maria das ‚Reis‘ aus der ‚Wurzel‘ Jesse ist, das schließlich Jesus hervorbringt („und hat ein Blümlein bracht“). Andererseits kann dieser auch selbst als das ‚Reis‘ angesehen werden:

Doch aus dem Baumstumpf Isais wächst ein Reis hervor, ein junger Trieb aus seinen Wurzeln bringt Frucht. (Jes 11,1)

Obwohl Es ist ein Ros entsprungen bereits in den frühen Quellen eine beachtliche Strophenzahl aufweist, erlebte der Text im Laufe der Zeit die Hinzudichtung neuer Strophen, beispielsweise durch Friedrich Layritz im Jahr 1844, von dem die ebenfalls häufig gesungene Strophe „Das Blümelein so kleine, das duftet uns so süß“ stammt. In der Zeit des Nationalsozialismus wurde mit der Neudichtung „Uns ist ein Licht erstanden / in einer dunklen Winternacht“ der Jesaja-Bezug am Liedanfang getilgt, um die jüdischen Wurzeln Christi nicht zur Sprache zu bringen. Auch ansonsten erweist sich der Text eher als profanisiert, er preist in ideologischer Weise den Beitrag der Mütter zum Vaterland. Die nationalsozialistische Form des Textes, die vom ursprünglichen Lied kaum mehr als die melodische Hülle ließ, ist glücklicherweise heute nicht mehr bekannt.

In den unterschiedlichen christlichen Textvarianten – und mit variierenden Strophenzahlen und -reihenfolgen – wird Es ist ein Ros entsprungen nicht nur im deutschsprachigen Raum bis heute zur Weihnachtszeit gesungen: Der Liedtext wurde in zahlreiche weitere Sprachen übersetzt, teilweise wiederum in mehreren Versionen. Im Englischen sind die am Ende des 19. Jahrhunderts entstandenen Übersetzungen Lo, how a rose e'er blooming (Theodore Baker) und A Spotless Rose is blowing (Catherine Winkworth) am weitesten verbreitet. Während diese beiden englischen Übertragungen sich eng am deutschen Originaltext orientieren, verzichtet die französische Fassung von Augustin Mahot auf den Jesaja-Bezug, um die‚Krippensituation‘ Dans une étable obscure (wörtliche Übersetzung „In einem schwach beleuchteten Stall“) zu beschreiben. Weitere Übersetzungen erfolgten beispielsweise in Schwedische (Det är en ros utsprungen), Norwegische (Det hev ei rose sprunge), Dänische (En rose saa jeg skyde) und Niederländische (Er is een roos ontloken).

Die Melodie und Praetorius’ Satz des Lieds inspirierten Komponisten zu eigenen Bearbeitungen. Vor allem die Chorsätze von Hugo Distler und Jan Sandström zählen zum Repertoire vieler Ensembles. In Sandströms Bearbeitung wird die Botschaft der Inkarnation von einem vierstimmigen Oberchor – hier verwendet der Komponist den Satz von Praetorius – vorgetragen, der über den flächigen Akkorden des summenden Unterchors zu schweben scheint. Distler nutzt vielerlei kompositorische Varianten für die einzelnen Strophen. Die dritte Strophe seines Arrangements beispielsweise ergänzt er durch das solistisch vorgetragene deutschsprachige Magnificat („Meine Seele erhebt Gott den Herren“) und bringt somit die ‚Stimme‘ der Mutter Jesu selbst mit ein.

Ob im katholischen oder evangelischen Kontext, ob in seiner ursprünglichen deutschsprachigen Fassung oder als Übersetzung, ob als Gemeindelied, im originalen Satz von Michael Praetorius oder in einer modernen kompositorischen Variante: Seit über 420 Jahren gehört Es ist ein Ros entsprungen für viele Menschen zum Weihnachtsfest dazu. Vielleicht ist es gerade die Gleichnisform, in der die frohe Festbotschaft in Form einer unscheinbar anmutenden und seit jeher („wie uns die Alten sungen“) prophezeiten ‚Rose‘ auftritt, die seit jeher die Faszination für den geheimnisvollen Liedtext zu erwecken vermag.


3. Dezember 2020

Herbei, oh ihr Gläubigen

... jauchzt und triumphieret!

Im dritten Türchen findet ihr das bekannte Adeste fidelis in der deutschen Fassung. Diesen Liedtext gibt es auch in vielen anderen Sprachen und Versionen. Mit unseren transkribierten Noten werden wir nach und nach neue Sprachen und Dialekte erschließen. Wie wir vorankommen und wie ihr uns in Zukunft dabei unterstützen könnt, erfahrt ihr über unseren ↓ Newsletter ↓.

Herbei, oh ihr Gläubigen

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2. Dezember 2020

A, a, a, der Winter, der ist da

Hat es bei euch heute auch geschneit?

Hinter dem zweiten Türchen verbirgt sich ein Lied mit einem Text des Dichters August Heinrich Hoffmann von Fallersleben, der im Übrigen auch das „Lied der Deutschen“, die heutige Nationalhymne Deutschlands geschrieben hat. Auch wenn dieser Text zugegebenermaßen nicht unbedingt die literarische Großleistung schlechthin darstellt hoffen wir, dass euch das heutige Stück gefällt. Zum IPA-Üben eignet er sich dafür umso besser ;-)

A, a, a, der Winter, der ist da

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1. Dezember 2020

Kling, Glöckchen, kling!

Hört Ihr schon die Glöckchen klingen?

In diesem ersten Türchen erwartet euch ein Lied, das mit dem Klang der Worte spielt. Die wundervolle Sopranistin Giulia Montanari kostet diese Tatsache sehr schön aus.

Kling, Glöckchen, kling!

Kling, Glöckchen, kling! aus unseren Noten gesungen und aufgenommen von der Sopranistin Giulia Montanari, begleitet von Wolfgang Tacke:

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